KARTOFFEL KUHN FRANKENTHAL

„Das modernste Kartoffellager Europas“

Geschäftsführer Hans-Josef Michels mit einem Sack Zwiebeln vor der Verpackungsanlage in Frankenthal.


Frankenthal. Rund acht Jahre ist es her, dass sich Kartoffel Kuhn entschloss, von Mannheim auf die andere Rheinseite umzuziehen. Jetzt kann der Großhändler in seinem Neubau in Frankenthal endlich loslegen: Rund 70 000 Tonnen Kartoffeln und Zwiebeln sollen hier spätestens ab März jährlich gewaschen, sortiert und verpackt werden, erklärte Hans-Josef Michels, Geschäftsführer des Familienunternehmens, gestern. Rund 100 Mitarbeiter aus Verwaltung und Produktion werden mit umziehen, am bisherigen Firmensitz, dem Mannheimer Großmarkt, verbleibt lediglich der Standverkauf als eigenständiger Betrieb mit etwa 30 Mitarbeitern.

Aus Mannheim weggelockt?

Der Umzug hatte vor acht Jahren für einigen Wirbel in Mannheim gesorgt, weil die Stadt in relativ kurzer Zeit mit Kartoffel Kuhn und dem Baumaschinenkonzern Vögele (jetzt Ludwigshafen) gleich zwei Unternehmen an die Vorderpfalz verlor. Michels wollte seinen Entschluss, die Rheinseite zu wechseln, aber nach wie vor nicht überbewertet wissen. "Am Mannheimer Großmarkt ist es uns einfach zu eng geworden", erklärte er. Zudem sei der neue Standort in Frankenthal unweit der Autobahn 650 "ideal", vor allem weil er für die Landwirte deutlich besser erreichbar sei. Kartoffel Kuhns wichtigste Lieferanten kommen aus der Pfalz, wo es heute noch rund 300 Kartoffelbauern gibt. "Wir glauben, dass wir nirgendwo besser hinpassen als hier nach Frankenthal - und bleiben doch ein Unternehmen der Region", stellte der Geschäftsführer klar.

Historie

Das Familienunternehmen Kartoffel Kuhn zählt mit seiner über 100-jährigen Geschichte zu den ältesten Mannheimer Unternehmen.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts fuhr Firmengründer Josef Kuhn Kartoffeln mit einem Pferdegespann aus. Ab 1950 wurden Kartoffeln in mühsamer Handarbeit sortiert und verpackt.

Hans-Josef Michels ist seit 1982 Geschäftsführer.

Auch Martin Hebich, Oberbürgermeister der Stadt Frankenthal, verwahrte sich gegen Vorwürfe, seine Stadt habe den Großhändler aus Mannheim weggelockt. "Im Gegenteil: Kartoffel Kuhn ist auf uns zugekommen", sagte er. Man sei froh, ihm die gewünschten Flächen habe anbieten können.

Wie viel Geld Kartoffel Kuhn in seinen neuen Firmensitz investiert hat, sagte Michels nicht genau. In der Vergangenheit war von mehr als 20 Millionen Euro die Rede gewesen. "Für unsere Familie war das auf jeden Fall ein Riesenberg", so Michels. Wohl auch deshalb hatte der Umzug zwischendurch immer wieder gestockt. Michels sprach von einem Partner, mit dem man die Investition zunächst habe gemeinsam stemmen wollen. Das habe sich aber schließlich zerschlagen. Und nachdem klar gewesen sei, dass Kartoffel Kuhn die Kosten allein tragen müsste, habe man die Pläne noch mal überarbeiten - und entsprechend reduzieren müssen.

Der Neubau ist nun vollgestopft mit jeder Menge Hightech. "Wir haben hier wahrscheinlich das modernste Kartoffellager Europas", vermutete Michels. So werden die angelieferten Knollen zum Beispiel videounterstützt nach Größe oder Gewicht sortiert und dann je nach Kundenwunsch zusammengestellt. Kartoffel Kuhn verkauft die Ware teilweise unter dem eigenen Logo, größtenteils werden die Kartoffeln und Zwiebeln aber für die großen Lebensmittelketten verpackt, die das Gemüse unter ihren eigenen Markennamen vertreiben.

Hauptsaison ist für Kartoffel Kuhn die hiesige Erntezeit zwischen Mai und August, in dem riesigen Kälte- und Klimaraum des Neubaus kann die Ware aber auch für mehrere Monate frischgehalten werden. Darin ersetzt auch ein vollautomatisches Regallager die üblichen Lagersilos. Auch das Verpacken übernehmen Roboter. "Die bücken sich für jeden Sack Kartoffeln", sagt Michels und freut sich. "Und behandeln sie, als ob es rohe Eier wären."

© Mannheimer Morgen, Freitag, 22.01.2016 , Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kros