ERWEITERUNG SENIORENHAUS "RHEINBLICK" BIEBESHEIM

Biebesheim

05.12.2015

Den Alltag mit Unterstützung selbst gestalten

Um einen dreistöckigen Neubau, der südlich des bestehenden Gebäudes errichtet wird, soll das Biebesheimer Seniorenhaus „Rheinblick“ in Biebesheim erweitert werden. 	<br />
Foto: Robert Heiler /Vollformat

Um einen dreistöckigen Neubau, der südlich des bestehenden Gebäudes errichtet wird, soll das Biebesheimer Seniorenhaus „Rheinblick“ in Biebesheim erweitert werden.
Foto: Robert Heiler /Vollformat

ALTER Seniorenhaus „Rheinblick“ Biebesheim soll um einen dreigeschossigen Neubau mit 67 Wohn- und Pflegeplätzen erweitert werden

BIEBESHEIM - (dirk). Das Seniorenhaus „Rheinblick“ soll um einen dreistöckigen Neubau erweitert werden, der unter anderem 67 Wohn- und Pflegeplätze bietet. Die Konzeption bekam der Bau-, Umwelt- und Sozialausschuss am Donnerstag vorgestellt.

Pflegebedürftige Biebesheimer sollen in ihrer Heimatgemeinde wohnen bleiben können. Dies ist das Ziel der Familie Heil, des Betreibers des Seniorenhauses „Rheinblick“. Bislang bietet dieses Gebäude der ehemaligen Altenwohnanlage 49 Wohnungen, die seit Übernahme durch die Heils 2010 modernisiert und energetisch saniert worden sind. Elf dieser Wohnungen sind in einem zusätzlichen Stockwerk neu entstanden.

Was noch fehlt, ist stationäre Pflege. Vertraglich haben sich die Heils damals gegenüber der Gemeinde Biebesheim verpflichtet, bis Ende 2017 das Seniorenhaus um ein Pflegeheim zu erweitern. Nun haben sich die Betreiber entschlossen, dieses Projekt auf einem südlich angrenzenden Grundstück bereits im kommenden Jahr zu verwirklichen. Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung sollen nicht 18, sondern sogar 67 Wohn- und Pflegeplätze entstehen.

Im Erdgeschoss sind nicht nur Zimmer für 13 Bewohner sowie Büros für die Verwaltung und Nebenräume geplant, sondern auch ein integriertes Restaurant. Diese öffentliche Gaststätte soll vor allem preiswerte Mittagessen anbieten, aber auch für Feiern und festliche Anlässe gebucht werden können.

Der Pflegebereich im Parterre wird besonders geschützt sein, da dort demenziell erkrankte Menschen mit erhöhtem Bewegungsdrang untergebracht werden sollen. Für sie soll es auch einen abgeschlossener Bewegungsgarten auf dem Außengelände geben. Im ersten und zweiten Obergeschoss, konzipiert für Pflegebedürftige aller Stufen, sind Zimmer für 27 Bewohner geplant.

Grundsätzlich stellen sich die Betreiber eine Einrichtung vor, die auf den Erhalt der Selbstständigkeit im Alter abzielt: „Die Bewohner sollen zusammen mit ausgebildeten Betreuungs- und Pflegekräften den Alltag selbst gestalten“, heißt es im Konzept. Beispielsweise würden Frühstück und Abendessen gemeinsam zubereitetund verzehrt. Auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten sollen die Senioren, je nach gesundheitlichem Zustand, möglichst eigenständig übernehmen.

Für das Bauvorhaben bedarf es einer Befreiung von den Festsetzungen im Bebauungsplan „Anglerweg II“, der einen Neubau mit vier und in Teilbereichen zwei Vollgeschossen vorsieht. Nun ist eine durchgehend dreigeschossige Bebauung in Massivbauweise mit leicht geneigtem Walmdach geplant. Laut Architekt Jens Schader ist so eine horizontale statt vertikale Anordnung der Stationen möglich, was für Pflege und Brandschutz vorteilhaft sei. Zudem bleibe den Bewohnern des vorhandenen Gebäude mehr Licht und Ausblick als bei viergeschossiger Bauweise.

Um eine offene Fluchttreppe sowie im ersten und zweiten Obergeschoss auch Balkone schaffen zu können, muss im Bebauungsplan eine sogenannte Abstandsflächenbaulast eingetragen werden. Dabei handelt es sich um die Verpflichtung eines Eigentümers, bestimmte Flächen seines Grundstücks nicht zu bebauen, um dem Nachbarn die Einhaltung der Abstandsflächen seines Gebäudes zu ermöglichen. Dies soll auf einem südlich angrenzenden gemeindeeigenen Grundstück geschehen. Wie der Gemeindevorstand erklärt, ist diese Fläche als mögliche Zufahrt zu einem gemeindlichen Grundstück westlich davon vorgesehen, sodass keine Bedenken gegen die Abstandsflächenbaulast bestünden. Laut Schader wurde die Planung mit der Bauaufsicht des Kreises Groß-Gerau abgestimmt.

Der Ausschuss Bauen, Umwelt und Soziales befürwortete das Vorhaben am Donnerstagabend einstimmig. Es geht ohnehin erst um einen Grundsatzbeschluss zu dem Konzept. Die abschließende Entscheidung fällt erst beim Bauantragsverfahren.

„Die SPD-Fraktion begrüßt ausdrücklich, dass es in Biebesheim vorangeht in Sachen Pflegeeinrichtung“, sagte Hans-Georg Krings: „Wir unterstützen dieses Konzept ohne Wenn und Aber.“ Für die Freien Wähler wies René Hain auf einen möglichen Synergieeffekt mit dem geplanten Familienzentrum hin, das eine große Küche haben werde, die das Seniorenhaus mitversorgen könnte. Laut Bürgermeister Schell (SPD) ist eine solche Zusammenarbeit angedacht, es habe dazu bereits Gespräche mit Ralf Heil gegeben.

www.echo-online.de/lokales/kreis-gross-gerau/biebesheim/den-alltag-mit-unterstuetzung-selbst-gestalten_16439424.htm